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Tierschutz

Artikel zum Thema Tierschutz:
Hier finden Sie Artikel von Organisationen, Projekten, Tierheimen und Vereinen. Nehmen Sie teil an Diskussionen über artgerechte Tierhaltung, die Abschaffung von Tierversuchen, Pelztier-Zucht, Tiertransporte, Jagd, Fischerei und Walfang. Werden auch Sie zum aktiven Tierschützer und machen Sie auf das Thema Tierschutz aufmerksam!
Tierbild

Tierschutz, 06.02.2018

25 Jahre Tierschutzpartei

Wie alles begann ...

 Dr. Ingeborg Gräßer, Gründungsmitglied, ehemaliges
Bundesvorstandsmitglied und frühere Vorsitzende des Landesverbands
Nordrhein-Westfalen schrieb am 27.09.2003 ihre ganz persönlichen
Erinnerungen an den Vorlauf zur Parteigründung und die frühen Zeiten der
Parteigeschichte:

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"Meine Eltern schenkten mir 1946 ein Buch über Tiere: "Wolf Dschingis". Ein
Nachkriegsdruck: schlechtes Papier, schlichte Schwarz-Weiß-Fotos. Der
Autor war Bernhard Grzimek. Das Buch schloss mir eine Welt auf! Ich lernte
daraus, Respekt vor allen Tieren zu haben, seien sie nach menschlichem
Urteil nützlich oder schädlich. Als ich am 13. Februar 1993 mit acht anderen
Personen in Bonn im Hotel Continental saß, um die erste politische Partei für
den Tierschutz zu gründen, da war meine Teilnahme an der Gründung aus
dem Geist von Bernhard Grzimek hervorgegangen. Ich hatte nämlich anfangs
der 70er Jahre eine Sendung gesehen, die sich kritisch mit der modernen
Nutztierhaltung befasste, welche ja nur auf höchsten Profit ausgerichtet war
und bis heute geblieben ist, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Tiere.

Diese Sendung gehörte in die Reihe "Ein Platz für Tiere" und war von
Professor Grzimek veranlasst worden. Man sah darin scheußliche Szenen,
Hennen auf Drahtgittern in Käfigen, Kälber und Schweine auf Spaltenböden,
in Dunkelhaft! Ihr alle kennt inzwischen solche Bilder zur Genüge! Ich
beschloss für diese wehrlosen Kreaturen zu kämpfen. Ich glaubte damals,
am 13.11.1973, dass wir Tierfreunde diesen Kampf binnen drei Jahren
gewinnen könnten. Jetzt sind fast 30 Jahre verstrichen, und noch immer tobt
der Kampf.

1980 gründete ich in Witten an der Ruhr eine Jugendgruppe, aus der ich
streitbare Tierschützer machen wollte. Am 26. Sept. 81, bei einem
Jugendtreffen in Wuppertal, wurde uns ein Dr. Meister als Redner vorgestellt.
Er war von der Firma Bayer Leverkusen beauftragt, den Kindern die
Wichtigkeit und Richtigkeit von Tierversuchen zu erläutern. Sein Thema
lautete: "Wie entsteht ein neues Medikament?" Kaum hatte dieser Mann die
ersten Sätze gesprochen, da erhoben die etwa 50 anwesenden Kinder, alles
Tierschützer, ein lautes Geschrei: "Tierversuche sind grausam! Man darf sie
nicht machen!" Unter den Jugendlichen saß eine Dame mittleren Alters. Sie
schrie zwar den Redner nicht nieder, aber sie erwies sich als Zwischenruferin
und zeigte bei ihrem wiederholten Einspruch auffällige Kenntnisse in
Wissenschaft und Medizin. In der Pause wurde sie mir als Frau Prof.
Ingeborg Bingener vorgestellt. Ich kannte den Namen bereits. Ihr Wunschziel
war, eine Gruppe von Erwachsenen zu sammeln, die gegen Tierlabore,
Experimentatoren und gegen weitere Exzesse an Tieren massiv vorgehen
sollten. Da sie in Hattingen, ich in dem nahegelegenen Witten, wohnte,
ergaben sich fortan Telefonate und Treffen zwischen uns. Mir imponierte das
ausgedehnte Wissen dieser Frau auch in organisatorischen Fragen. Sie wies
in ihren Schriftsätzen und vielen Vorträgen nach, dass die EG (Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft) ein sinnloser Kostenfaktor sei, der unsere deutsche
Landwirtschaft mittels Mammutverwaltung und unter dem Slogan "Wachsen
oder Weichen" kaputtmachen würde; und die Haupt-Leidtragenden dabei
seien die sog. Nutztiere.

Das Tier im Recht - von Dr. Ingeborg Bingener

Am 23. Juli 1992 rief Ingeborg Bingener mehrmals bei mir an. Ihre Stimme
war lebhaft: Es hätten sich bei ihr zwei Herren aus Augsburg gemeldet,
Christian Petri und Egon Karp, die eine Partei für den Tierschutz gründen
wollten, und außerdem zwei junge Männer, die Herren Gegner und
Achenbach, die eine solche Gründung für dringend hielten. Ob ich bei der
Gründung helfen und Beisitzerin werden wolle? Etwas unsicher sagte ich:
"Ja!" Frau Bingener rief daraufhin namhafte Tierschützer zusammen,
während sie gleichzeitig ein Grundsatzprogramm verfasste. Sie war sehr
stolz, es mir am 30. September 1992 vorlegen zu können; und sofort lasen
wir es gemeinsam bei ihr in Hattingen durch. Dabei beauftragte sie mich, ein
Rededuell bei Radio Ruhrwelle in Bochum zu führen, wobei ein
Medizinprofessor namens Steinau vom Bergmannsheil die Tierexperimente
gegen mich verteidigen werde. Es war eine Mutprobe für mich! Dass es mir
gelang, seine Argumente kräftig zu widerlegen, stärkte mein Selbstvertrauen
sehr; und ich trat fortan mutiger für unsere Partei ein.

Das erste Treffen aller an der Partei Interessierten fand am 25. Oktober 1992
in Hattingen, in der Gaststätte "Zur Börse"statt. Ich nenne einige Namen der
Anwesenden: Basse, Balsam, Heinz E. Wolf, Karp, Lindner aus München,
Achenbach und Gegner, die Zahnärztin Hallerbach-Redlin, aus Bayreuth ein
Herr Liedl; dieser war mir schon Mitte der 80er Jahre begegnet, als er eine
große Demo in Bayreuth gegen Tierversuche organisiert hatte, bei der auf
dem Rathausplatz prominente Tierschützer - Ilja Weiß, Dr. Werner Hartinger,
Dr. med. Walter Schmidt und Prof. Gräßer - überzeugende Ansprachen an
die Zuhörer gehalten hatten. Ich erinnere mich heute noch an das schöne
Pferd mit schwarzer Schabracke. Es wurde von Herrn Liedls Tochter am
Zügel dem "Trauerzug für die Labortiere" vorangeführt.

Zurück zum Vorgespräch in Hattingen: Es nahm auch ein Schweizer
Tiermaler mit Namen Nägeli teil; er hatte kurz vorher eine Haftstrafe
abgebüßt, weil er öffentliche Gebäude mit seinen Tiermalereien besprüht
hatte.

Frau Prof. Bingener wurde aufgrund ihres Sachwissens als
Bundesvorsitzende vorgeschlagen. Das Logo, ein Dreieck, umgeben von den
Worten "Mensch - Umwelt - Tierschutz" war bereits dem
Grundsatzprogramm aufgedruckt, aber in der Dreiecksmitte fand sich das
Kürzel MUT, welches im Verlauf des nächsten Halbjahres nicht mehr zu
halten war. Als "Farbe" wurde Weiß gewählt, schon deshalb, weil das
preiswert wäre und weil sämtliche Farben, Rot, Grün, Schwarz, Gelb und
Blau, bereits von den etablierten Parteien besetzt seien. Das Kürzel MUT zu
führen wurde uns durch eine Firma des gleichen Namens untersagt, und
nach langen Beratungen ersetzten wir es durch das sog. Kürzel
"Tierschutzpartei". Und dieser Name erwies sich als ausgesprochen griffig
und bürgernah. Leider gibt dieses Kürzel aber immer wieder Anlass zu dem
Missverständnis, es gehe bei unserer Partei nur um den einzigen Punkt
Tierschutz. Wir sprachen bei dieser Veranstaltung auch das
Grundsatzprogramm durch, das nach z. T. kontroversen Diskussionen
verabschiedet wurde. Bei diesem ersten Treffen waren 15 Teilnehmer und
Teilnehmerinnen anwesend. Wie zu erwarten, blieben nicht alle "bei der
Stange" - aus unterschiedlichen Gründen.

Mit einem Fragebogen, der weiträumig verteilt wurde, testete Frau Bingener
Ende 1992 die "Stimmung im Volk". Die positiven Antworten, auch bereits
einige Mitgliedsanträge, machten uns Mut, die Partei nun wirklich zu
gründen. Diese Gründung geschah am 13. Februar 1993 in Bonn beim
Hauptbahnhof im Hotel Continental, also vor gut 10 Jahren. Teilnehmer
waren 9 Personen: Die Herren Karp, Petri, Lindner, Achenbach, Gegner - und
die Damen Bingener, Ruckaberle, Gegner, Gräßer. Dann die Wahlen:
Bingener wurde als erste Bundesvorsitzende einstimmig gewählt, ich trotz
meiner Befangenheit zur zweiten Stellvertreterin vorgeschlagen. Mir
schwebten vor allem gute Infostände vor - ein Feld, das ich schon reichlich
beackert hatte. In Hamburg war unsere Gründung besonders lebhaft begrüßt
worden. Dort meldete sich eine aktive Gruppe, die mit Hilfe von Karp und
Bingener auf die Gründung eines dortigen Landesverbandes ausging.
Inzwischen hatten sich die 9 genannten Gründer fast monatlich in deutschen
Städten getroffen: März 1993: Heidelberg. April 1993: Augsburg. Juni 1993:
Witten. In Hamburg kam es am 16. Juli 1993 tatsächlich zum ersten
Landesverband, was mich mit großer Hoffnung erfüllte. Aber obwohl es die
Hamburger Parteispitze in kurzer Zeit schaffte, für die Bürgerschaftswahl am
16. September 1993 alle Bedingungen zu erfüllen, war Frau Bingener, trotz
des dabei erreichten Erfolgs von 0, 3 %, nicht recht zufrieden. Ein solcher
Stimmenanteil der noch völlig unbekannten winzigen Partei war allerdings ein
durchaus respektables Ergebnis.

Im Jahr 1994 gab es 5 Gründungen von Landesverbänden: Niedersachsen,
Schleswig-Holstein, NRW, Bayern, Baden-Württemberg. Im Jahr 1995 kam
Hessen dazu, 1996 Sachsen-Anhalt, 1997 waren es gleich drei neue
Verbände: Berlin, Rheinland-Pfalz, Sachsen. Und 1998 schob unsere kleine
Partei sich noch weiter nach Osten vor: Brandenburg und Mecklenburg-
Vorpommern schlossen sich an. Wie viele tüchtige Tierschützer ihre
Arbeitskraft in den Dienst der Sache gestellt haben, lässt sich gar nicht
aufzählen! Könnten wir doch den gepeinigten "Nutztieren" in den
Folterkäfigen und den sargähnlichen Boxen mit Spaltböden, auf den
endlosen Transporten, in den Laboratorien, irgendwie mitteilen, wie heftig für
sie gestritten wird! Die Presse und das Fernsehen verweigern jedoch jede
Unterstützung unserer Anliegen fast gänzlich, so dass wir nur durch Plakate
und Infotische an die Bürger herankommen.

Einen vorzüglichen Werbespot hatte Frau Bingener getextet und einer
Münchener Werbefirma zur Verfilmung in Auftrag gegeben. Vor der
Bundestagswahl 1994 haben ihn ARD und ZDF erstmals ausgestrahlt, leider
nur vier Male und zu ungünstigen Sendezeiten. Große Parteien wie SPD und
CDU bekamen dagegen etwa 40 Sendezeiten zugeteilt. Ich habe den
Werbespot auf Video hier bei mir. Jedoch musste dieser Werbespot vier
Jahre später zur 14. Bundestagswahl um eine halbe Minute verkürzt werden,
was die neue Vorsitzende, die Autorin Dr. Gisela Bulla, übernahm. Frau
Bingener fühlte sich hierdurch übergangen, was zu
Meinungsverschiedenheiten führte und schließlich zur Folge hatte, dass Frau
Bingener die Partei verließ. Leider gab es in den vergangen Jahren einige
Meinungsverschiedenheiten unter Mitgliedern. Tierschützer sind ein
streitbares Volk. Das ist gut; denn sie könnten sonst ihrer Aufgabe nicht
ausreichend nachkommen, den Tieren zu helfen. Die Streitbereitschaft der
Tierschützer hat aber auch eine negative Seite, denn manchmal führt sie in
die falsche Richtung und schadet dem gemeinsamen Ziel. Unsere Partei
besitzt heute Landesverbände in 13 Bundesländern. Zum Teil müssen diese
Verbände neu aktiviert werden, denn aus unterschiedlichen Gründen ist die
Parteiarbeit in einigen Bundesländern zurückgegangen oder gar zum
Erliegen gekommen. Da wir in Bremen, Thüringen und im Saarland noch
keine Landesverbände gründen konnten, rufe ich alle unsere Mitglieder und
Freunde dazu auf: Helfen Sie, bitte, die fehlenden Landesverbände zu
gründen, und unterstützen Sie die Anstrengungen, die schwächeren
Landesverbände zu kräftigen! Die Entwicklung der Mitgliederzahlen ist (im
Gegensatz zu anderen Parteien) weiter positiv verlaufen. Die
Tierschutzpartei, die sich ja nicht ausschließlich um Tiere kümmert, sondern
auch um die Menschen und die Umwelt, besitzt heute etwa 1000 Mitglieder.
Diese Zahl finden wir zwar längst noch nicht zufrieden stellend. Aber als
erfreulich ist es zu werten, dass unsere Partei bei allen Wahlen, an denen sie
teilnahm, stets deutlich bessere Wahlergebnisse erzielen konnte als jeweils
zuvor.

Die Partei hat sich weiter etabliert: Sie unterhält seit dem Jahr 2001 eine
eigene Bundesgeschäftsstelle in Frankfurt/Main, welche Mitglieder, Freunde
und Interessenten mit Rat und Tat unterstützt; und sie gibt seit Dezember
2000 eine eigene Zeitschrift heraus, die wir "ZEITENWENDE" genannt haben;
ein Informations- und Meinungsforum für Mitglieder und Interessenten! Wir
alle sind aufgerufen, diese positive Entwicklung mitzutragen und nach
Kräften zu fördern. Frau Dr. Gisela Bulla, der wir einige wichtige Bücher zum
Thema Tiermissbrauch verdanken, hat auch als erste Vorsitzende in drei
Wahlperioden (1995-1997-1999) unseren herzlichen Dank verdient, ebenso
auch Herr Egon Karp, der als einziger außer mir die Parteigründung vor 10
Jahren noch persönlich miterlebt hat und der, als stellvertretender
Parteivorsitzender, die Interimszeit zwischen Frau Bulla und Herrn Gerlach
mit Engagement und Gewissenhaftigkeit überbrückt hat. Herrn Gerlach als
dem derzeitigen Parteivorsitzenden danken wir für seine ruhige,
ausgeglichene Führung in den oft aufregenden Phasen des Parteilebens.

Aber vor allem unsere Parteigründerin, Frau Ingeborg Bingener, wollen wir
heute durch unser Gedenken ehren. Sie starb am 26. Januar 2001, 78 Jahre
alt. Ich lese von ihren zahlreichen, sehr schönen Gedichten zum Thema "Tier-
Elend" eines vor, das mir stärksten Eindruck gemacht hat:


Dreiteilung der Gewalten
Hohes Gericht! Ich erhebe Klage
gegen Regierung und Gesetzgeber
und begehre ein Urteil,
dass Tiere nicht rechtlos sind!
Der Klage wird nicht stattgegeben,
weil Tiere rechtlos sind,
und weil kein Gesetz und kein Urteil
ihren Verbrauch verbietet."

Quelle:
https://www.tierschutzpartei.de/partei/parteichronik/tierschutzpartei-wie-
alles-begann



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Publiziert am 06.02.2018. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der Autor. Ein Artikel gibt ausschliesslich die Meinung seines Autors wieder, nicht die der webpool GmbH.                                                                                                                  
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